08.07.2010
Vor einigen Wochen wurden wir fast täglich von den Massenmedien über die
schrecklichen Umstände der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko informiert,
bei der laut Informationen aus einer Anhörung des US-Kongresses täglich
95.000 Barrel Öl(über 15 Millionen Liter) unkontrolliert austreten. Nun
ist es recht still geworden, warum, gilt es hier zu fragen.
Die Regierung Barack Obamas hat ein Verbot erlassen, demzufolge es
untersagt ist, die durch BP verursachten Schäden zu fotografieren.
Darüber hinaus hat die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA den Luftraum
über dem Katastrophengebiet völlig gesperrt. Was sollen die
US-amerikanischen Bürger nicht zu sehen bekommen? Warum dürfen
einerseits die Bürger nicht Kenntnis über die wahren Ausmaße dieses von
Menschenhand verursachten Super-GAUs erhalten, aber andererseits werden
über 17.000 Mitglieder der Nationalgarde und von BP beauftragte private
Sicherheitsdienstleister an den Golf entsandt, um die Bevölkerung, wenn
nötig, mit Gewalt von den relevanten und unverfälschten Informationen
über den tatsächlichen Stand der Dinge fernzuhalten?
Weil es langsam, aber sicher als erwiesen gelten kann, daß die
Maßnahmen, die der Öl-Konzern BP zur Neutralisierung des ausgelaufenen
Öls einsetzt, noch schwerwiegendere Folgen für die Natur und die
Lebewesen in diesem einzigartigen Biotop haben werden als das Öl selbst.
BP setzt die hochgiftige Substanz Corexit ein, welche zwar das Öl
abbaut, aber gleichzeitig Tiere verenden und auf den Meeresboden sinken
läßt(dies ist pressetechnisch für BP vorteilhafter, als wenn sie
millionenfach an den Strand gespült werden würden). Wissenschaftler
prognostizieren schon jetzt, daß die riesigen Öl-Teppiche aus dem
gesamten Biotop eine „tote Zone“ machen werden, weil die Lebewesen nicht
mehr genug Sauerstoff zur Verfügung haben. Auch wird schon vorhergesagt,
daß sämtliche Maßnahmen ins Leere laufen, die Ölmassen schließlich doch
die Küste erreichen und damit ganze Landstriche für immer kontaminieren
werden.
All diese Informationen belegen, daß BP eine gezielte
Verschleierungstaktik fährt, um die Öffentlichkeit über das wahre
Schadensausmaß im Unklaren zu halten. Das alles nur, um den enormen
Image-Verlust des Unternehmens nicht zu einem Absturz des gesamten
Unternehmens werden zu lassen. Laut Spiegel beträgt der Börsenverlust
des Unternehmens schon jetzt 50 %, der Wert der BP-Aktie hat sich also
in wenigen Wochen halbiert.
Doch Mitleid für die Führungsetage dieser globalen Heuschrecke wäre fehl
am Platze, da laut internen Dokumenten schon 11 Monate vor der Explosion
erste Hinweise auf Sicherheitsdefizite vorgelegen haben sollen. Der
Schaden, der durch diese durch Wachstumszwang und Marktradikalismus
hervorgerufene Katastrophe für die menschliche Gesundheit, für die Natur
und damit im Ernstfall für das Leben der Menschheit an sich entstanden
ist, ist unermeßlich höher.
Es muß nur ein Hurricane das Wasser mitsamt den giftigen Substanzen
aufwirbeln und auf das Land tragen, eine Vergiftung der
landwirtschaftlich genutzten Flächen und damit der Lebensgrundlage der
Menschen wäre die Folge. Oder aber das Wasser mitsamt der Substanz
verdunstet und sammelt sich in einer Regenwolke und fällt als
hochgiftiger Regen über dem bewohnten Land wieder ab. Die Folgen sind
noch gar nicht zu kalkulieren. In Großbritannien, im Mutterland von BP
ist die Substanz Corexit aufgrund ihrer toxischen Wirkung verboten, im
Golf von Mexiko wurden 1.021.000 Gallonen(über 4 Millionen Liter)
Corexit ins Meer geschüttet. Laut tagesschau-online ist die Vorliebe von
BP für das hochgiftige Corexit kein Wunder, sondern durchaus Berechnung.
Man sitzt ja nicht umsonst im Aufsichtsrat der Herstellerfirma Nalco,
die mit den „Beseitigungs“-Maßnahmen schon einen Umsatz von 40 Millionen
Dollar erwirtschaftet hat.
BP diktiert derzeit der US-amerikanischen Regierung, welche Maßnahmen zu
ergreifen sind, um einen Schleier der Unkenntnis über die Bevölkerung zu
legen. In diesem Zusammenhang wird wieder mehr als deutlich, daß nicht
mehr die gewählten Regierungen die Regeln aufstellen, sondern daß sie
nur noch willfährige Marionetten des globalen Kapitals sind.
Wir Europäer sollten zur Kenntnis nehmen, daß der Ort der Katastrophe
zwar noch viele Kilometer entfernt ist, aber aufgrund dessen, daß die
austretenden Ölmassen noch gar nicht bezifferbar sind und der Atlantik
zwei Seiten hat, auch wir bald unser schwarzes Wunder erleben könnten.
Damals, 1986, als Tschernobyl die Menschen in Angst und Schrecken
versetzte, schwor man sich, den Menschen nicht gänzlich zum Sklaven der
Technik und des kapitalistisch diktierten Wachstumszwangs werden zu
lassen. Angesichts der aktuellen Öl-Katastrophe, deren Ausmaße die
Folgen Tschernobyls in den Schatten stellen könnten, erkennen wir, daß
die Menschheit nichts gelernt hat. Sie läßt sich weiterhin von einigen
Wenigen einen unmenschlichen Wachstumszwang aufdiktieren, anstatt diese
Brut in die Wüste zu jagen.
Ferner sollte bedacht werden, daß BP nicht nur Öl-Riese, sondern auch
einer der aktivsten Finanzjongleure ist. Sollte BP aufgrund dieser Krise
Bankrott gehen, könnte das ganze Szenario nicht nur zu einer
Naturkatastrophe, sondern auch zu einer Finanz- und
Wirtschaftskatastrophe noch nie dagewesenen Ausmaßes werden.
Ronny Zasowk